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Lerntypen bei Kindern: Wer lernt wie am besten?

Im Laufe unseres Lebens müssen wir uns unzählige Sachen einprägen und verschiedene Fähigkeiten erlernen. Dabei wird eines schnell klar: Bestimmte Lernmethoden liegen uns hervorragend, andere vermitteln uns nahezu kein Wissen. Zudem sind uns häufig bestimmte Arten der Vermittlung zugänglicher als andere. Einige verstehen Sachverhalte schnell, wenn sie sie sehen können, schalten hingegen bei Vorträgen zeitnah ab. Andere begreifen Dinge leichter, wenn sie sich physisch mit ihnen auseinandersetzen können, haben hingegen bei Diskussionen und Erklärungen ihre Schwierigkeiten.

Diese Präferenzen werden in der Pädagogik als „Lerntypen“ bezeichnet. Kinder nehmen laut diesen Typen Informationen über spezifische Kanäle besser auf, während sie sich mit anderen schwerer tun. Folglich hängen ihre Lernerfolge insbesondere in der Schule davon ab, wie sie sich mit den Wissensinhalten auseinandersetzen können und wie Lehrkräfte Vorträge und Aufgaben gestalten. Mit den richtigen Strategien können die Kinder gerade komplexe Inhalte einfacher begreifen und sind gleichzeitig motivierter und engagierter im Unterricht. insGraf stellt Ihnen die Lerntypen kurz vor und gibt einige Beispiele für kompatible Lehrmethoden sowie Empfehlungen für geeignete Lehrmaterialien.

Eine Sache vorab: Die Theorie der Lerntypen wird seit langem kontrovers diskutiert und neuere Forschungen lehnen statische Einteilungen in der Regel ab. Lernen ist ein extrem individueller Prozess und daher von vielen Faktoren abhängig. Allerdings kann es Pädagogen sowie den Kindern selbst durch die Kenntnis der „Archetypen“ und eine kritische Auseinandersetzung mit ihnen leichter fallen, Lernpräferenzen zu entdecken und effektivere Lernstile zu entwickeln.

In diesem Artikel:

Die verschiedenen Lerntypen bei Kindern

Ist von Lerntypen bei Kindern die Rede, sind häufig die Lerntypen nach Frederic Vester gemeint. Das didaktische Konzept stammt aus den 1970er Jahren und soll dabei helfen, Lernprozesse bewusster wahrzunehmen und Lernstrategien zu optimieren. Dabei werden vier primäre Lerntypen unterschieden, die an verschiedene Sinneskanäle geknüpft sind. Auf Vester aufbauende, modernere Modelle benennen noch weitere Typen, die jedoch weniger verbreitet sind.

Der visuelle Lerntyp

Kinder, die visuell am besten lernen, behalten vor allem Farben, Bilder, Diagramme und Tabellen im Gedächtnis. Das Gehirn verknüpft dabei Gesehenes direkt mit den dazugehörigen Informationen. Kinder des visuellen Lerntyps machen sich häufig Notizen, fertigen Skizzen an und zeichnen gern. Sie arbeiten genau und ordentlich und können sich in der Regel gut an Details erinnern.

Im Lernprozess spielen dabei Struktur und Übersicht eine enorm wichtige Rolle, ebenso die optische Aufbereitung von Informationen. Wichtige Fakten und Zusammenfassungen sollten farblich markiert oder anderweitig optisch hervorgehoben werden. Lernvideos vermitteln Wissensinhalte deutlich besser als einfache Vorträge.

Visuelle Lerntypen: Kinder lernen mithilfe von Schaubildern etwas über gesunde Ernährung

Der auditive Lerntyp

Kinder des auditiven Lerntyps lernen am leichtesten durch Zuhören, Melodien und Gespräche. Sie lesen gern laut, sprechen Wissensinhalte bei Vorträgen für sich mit und merken sich problemlos Rhythmen und Reime. Auditiv Lernende sind aufmerksame Zuhörer, können gut nacherzählen und Informationen einfacher kombinieren.

Der klassische Frontalunterricht bereitet diesem Lerntyp die wenigsten Probleme. Weitere Lernstrategien sind das eigene Vorlesen bzw. Vorsprechen von Informationen sowie das Anhören von Hörbüchern und Podcasts. Auch das Hören von Musik beim Lernen, das andere Lerntypen womöglich stören würde, kann Sinn machen, um Wissen mit bestimmten Tonfolgen und Emotionen zu verknüpfen.

Auditive Lerntypen: Ein Jugendlicher diktiert sich selbst den Lernstoff

Der motorische Lerntyp

Wer motorisch, haptisch oder kinästhetisch am besten lernt, prägt sich Wissen am einfachsten durch aktives Handeln ein. Kinder dieses Lerntyps haben Schwierigkeiten, lange still zu sitzen, sondern merken sich Dinge eher durch praktische Erfahrungen. Sie gestikulieren häufig beim Sprechen und agieren in der Regel handlungsorientiert und impulsiv.

Motorische Lerntypen müssen Dinge anfassen, nachbauen und bewegen. Sie lieben Experimente, Rollenspiele und andere manuelle Übungen, während Texte und Formeln eher Desinteresse hervorrufen. Motorisch veranlagte Kinder lernen auch besser im Stehen oder bei Spaziergängen. Theorie und „trockene“ Wissenschaft verbinden sie am liebsten mit Gesten oder Bewegungen.

Motorische Lerntypen: Kinder konstruieren ein technisches Modell mit Lernbausteinen

Der kommunikative Lerntyp

Als kommunikative oder intellektuelle Lerntypen gelten Kinder, die sich Wissen am liebsten über den Austausch mit anderen und kritische Auseinandersetzungen aneignen. Man erkennt diesen Lerntyp daran, dass er überdurchschnittlich neugierig ist, viele Fragen stellt und gern diskutiert und erklärt, um selbst zu verstehen. Auch sonst ist er häufig sehr sozial und sympathisch.

Kommunikativ Lernende prägen sich Wissensinhalte am einfachsten ein, indem sie sie mit eigenen Worten zusammenfassen und in Gruppen besprechen. Debatten, Quizze und Rollenspiele können dabei enorm hilfreich sein. Lehrer und Eltern unterstützen kommunikative Lerntypen am besten, indem sie Gespräche suchen und gerade bei Meinungsfragen ab und zu herausfordernd auftreten.

Kommunikative Lerntypen: Schüler diskutieren in der Gruppe

Weitere Lerntypen

Neben den klassischen Lerntypen nach Vester gibt es auch noch andere „Archetypen“ und Einordnungen. Einer davon ist der personenbezogene Lerntyp. Solche Kinder knüpfen Interessen und Motivation stark an die Wissensvermittler selbst, egal ob Lehrkraft, Eltern oder Freunde. Ein positives Verhältnis und ein sympathisches Miteinander verbessern dabei die Lernerfolge, während negative Haltungen Engagement und Merkfähigkeiten stark beeinträchtigen. In letzterem Fall ist es gerade im schulischen Umfeld wichtig, die Aversionen der Kinder abzubauen, damit sie produktiv am Unterricht teilnehmen können.

Zudem gibt es noch den medienorientierten Lerntyp, der sich Wissen hauptsächlich autodidaktisch mithilfe analoger und digitaler Medien aneignet. Hierzu zählen vorrangig PC und Internet, doch auch Film und Fernsehen sowie Bücher und Magazine. Kinder mit diesem Lerntyp beschäftigen sich in der Regel allein mit den Wissensinhalten und arbeiten ungern in Gruppen. Lehrkräfte und Eltern sollten dies berücksichtigen, aber gleichzeitig darauf achten, dass soziale Kontakte dennoch nicht zu kurz kommen.

Die Realität der Mischtypen und multisensorisches Lernen

In der Theorie sind die Lerntypen ganz klar unterteilt. In der Praxis funktioniert diese angenehme Kategorisierung jedoch nur sehr bedingt. Dass Kinder einen festen Lerntyp aufweisen, ist eher die Ausnahme, häufig zeigt sich höchstens eine gewisse Dominanz eines Kanals. Ansonsten nutzen die meisten Kinder instinktiv mehrere Sinne gleichzeitig, um Informationen aufzunehmen und nachhaltig zu speichern. Dies ist allein schon aus biologischem Grund sinnvoll, da das Gehirn vernetzt arbeitet und „Speicherpfade“ für Wissensinhalte umso stärker und zeitstabiler sind, je mehr Nervenzellen eingebunden werden.

Mithilfe von multisensorischem Lernen werden selbst abstrakte Inhalte begreifbar. Die Kombination von Sehen, Hören, Fühlen und Bewegen (in manchen Fällen sogar Riechen und Schmecken) sorgt für ein tieferes Verständnis, ein gesteigertes Erinnerungsvermögen und eine höhere Motivation bei der Auseinandersetzung mit den Lerninhalten. Praktische Beispiele hierfür sind etwa:

  • Schreiben: Buchstaben mit Wörtern und Bildern verknüpfen und in Materialien wie Sand nachfahren
  • Vokabellernen: Wörter lesen, laut aussprechen, sich ein passendes Bild vorstellen/malen
  • Mathematik: Mengen mit Würfeln, Stäben oder Chips visuell und haptisch begreifbar machen

Multisensorische Lernumgebungen lassen sich mit unterschiedlichen Lernhelfern schaffen oder verstärken. Besonders erwähnenswert sind dabei Montessori-Materialien, die durch Form, Farbe, Gewicht und Textur diverse manuelle und intellektuelle Fähigkeiten mit visuellen, akustischen und taktilen Reizen verknüpfen. Doch auch monosensorische Hilfsmittel, die mit Farbe und Licht, Klang oder Texturen arbeiten, lassen sich abwechselnd oder in Kombination nutzen, um Wissensinhalte leichter zu vermitteln und besser zu festigen.

Den dominierenden Lerntyp bei Kindern erkennen und nutzen

Während die starre Zuordnung von Kindern und einzelnen Lerntypen weder wissenschaftlich haltbar noch pädagogisch sinnvoll ist, lässt sich das Konzept dennoch nutzen, um effektivere Lernstrategien zu entwickeln. So können Lehrer und Eltern meist Präferenzen beim Lernverhalten feststellen. Diese Ausprägung sind in der Regel schon im Alltagsverhalten erkennbar: Malen Kinder gern Bilder (visuell), hören sie gern Geschichten oder Musik (auditiv), bewegen sie sich gern und hantieren sie gern mit verschiedenen Gegenständen (motorisch) oder reden sie viel und suchen gern Kontakt (kommunikativ)? Bei welchen Aktivitäten bleibt das Kind am längsten konzentriert? Und über welche Sinneskanäle kann es sich am besten an bestimmte Fakten oder Tätigkeiten erinnern?

Ist der dominierende Lerntyp des Kindes bekannt, gestaltet sich auch die individuelle Förderung einfacher. Visuelle Typen lassen sich mit Bildern, Mindmaps oder Diagrammen unterstützen, auditive Typen profitieren von Vorlesen, Hörbüchern und lauten Wiederholungen. Motorisch veranlagte Kinder sollten häufiger basteln und experimentieren sowie Bewegungen und Gesten in theoretische Passagen einbinden. Kommunikative Lerntypen arbeiten am besten in Gruppen und festigen Wissen am leichtesten, indem sie es diskutieren oder anderen erklären.

insGraf unterstützt Sie beim Schaffen multisensorischer Lernumgebungen

Egal, ob bei Erwachsenen, Jugendlichen oder Kindern: Lerntypen sind kein starres Konstrukt, sondern meist nur eine Frage von Präferenzen und Affinität. Sie können mal stärker oder schwächer ausgeprägt sein und sich über die Jahre sogar gänzlich ändern. Dennoch ist das Erkennen und Verstehen der Archetypen ein nützliches Werkzeug, um das Lernen in Kindergarten oder Schule individueller, abwechslungsreicher und spannender zu gestalten. Gepaart mit ausreichender Flexibilität und einem ordentlichen Schuss Spielfreude können Lehrer und Erzieher die Motivation und das Engagement ihrer Schützlinge enorm steigern.

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